Kriegsdienstverweigerungsantrag Nr. 2
Oder kurz KdV-Antrag. Wie stellt man ihn richtig? Hier eine weitere Hilfe...
Okay. Du weisst, Du wärst wirklich falsch beim Bund aufgehoben. Du kannst es nicht mit Deinem Gewissen vereinbahren, eine Waffe zu tragen oder gar zu benutzen. Und Du willst Dich mit Sicherheit nicht einfach nur vor einer Verantwortung drücken. Hast nicht einfach nur Angst vor der Grundausbildung (die nicht so schlimm ist, das haben wir doch gezeigt!)... Oder Du brauchst eine bestimmte Zivistelle als Praktikum für Dein Studium.
Du weisst nur einfach nicht, wie Du es am besten anstellen kannst, einen KdV-Antrag so zu stellen, dass er auch bewilligt wird. Na gut, hier bist Du richtig.
Deine eigene Adresse
Deine Personenkennziffer (falls bekannt)ANTRAG-Nr.2

Adresse des Kreiswehrersatzamtes


Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit stelle ich Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer. Gewissensbedingt verweigere ich den Kriegsdienst an der Waffe nach Artikel 4 Absatz 3 Grundgesetz sowie gemäß Artikel 12a Absatz 2 Grundgesetz.
Angefügt finden Sie eine Begründung meines Antrages.


Mit freundlichen Grüßen,

Name, Unterschrift




=========Begründung=========

Gemäß Art. 4 Abs. 3 Satz 1 des Grundgesetzes möchte ich nach reiflicher Überlegung den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigern und Zivildienst leisten.

Die Gründe für meine Entscheidung möchte ich hier aufführen. Sie basieren auf meiner Lebenserfahrung, meinen persönlichen Auffassungen, und meinem Weltbild. Bereits bei meiner Erziehung legten meine Eltern großen Wert darauf, mich zu rücksichtsvollem und tolerantem Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen zu erziehen. Sie brachten mir bei, daß Gewalt niemals ein geeignetes Mittel zur Lösung von Konflikten ist. Mit zunehmendem Alter begann ich selbst die mir vermittelten, christlichen Werte zu vertreten und besuchte seit der Zeit in der ich in Amerika lebte, regelmäßig den christlichen Gottesdienst. Das menschliche Leben ist für mich das höchste Gut auf unserer Welt, und es sollte geachtet und in keinster Weise absichtlich angegriffen oder gar zerstört werden, denn Krieg bringt Leid und Trauer mit sich. Von den Schrecken und Gräueltaten des Krieges im ehemaligen Jugoslawien habe ich durch Kriegsflüchtlinge, die in meine Schule eingeladen wurden, erfahren. Ich hatte die Möglichkeit, mit ihnen über die Ursachen und Folgen des Krieges zu diskutieren. Ich war schockiert, als ich von den brutalen Angriffen gegen das menschliche Leben erfuhr, denn bislang hatte ich Informationen nur durch die Medien erhalten können. Die Kriegserlebnisse dieser Flüchtlinge waren grausam und fast unglaublich, aber sie vermittelten die Wahrheit über das Leid der Bevölkerung. Diese Leute hatten nichts mehr, sie hatten oftmals sogar ihre gesamte Familie verloren. Ich könnte es niemals verantworten, jemandem so etwas anzutun, weder physisch noch psychisch. Meine Großmutter und mein Großvater erzählten mir oft vom Leben während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie berichteten mir von der Angst, die sie hatten, als sie von den Bombern überrascht wurden, die Luftangriffe auf Städte und Verkehrsverbindungen flogen. Mein Großvater Andreas Hack bekam einen schweren Lungendurchschuss während des Frankreichfeldzuges. Bis heute führt diese Verletzung im Alltag zu Problemen. Genaus so schlimm sind die physischen- und psychischen Schäden aus der französischen Gefangenschaft, wo er vier Jahre lang unter sehr schlechten Nahrungsverhältnissen und unter extrem harter körperlicher Arbeit, weit weg von Zuhause leiden mußte. Zwei seiner Brüder sind in Russland ermordet worden. Unter diesen Erlebnissen leidet mein Großvater heute noch. Diese schrecklichen Erfahrungen möchte ich weder mir zumuten, noch in irgend einer Weise dafür verantwortlich sein, daß dies einem meiner Mitmenschen geschieht. In der Schule interessierten mich besonders die Fächer Geschichte und Gemeinschaftskunde. Somit konnte ich einen tieferen Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe während der Zeit des Zweiten Weltkrieges erlangen. Meine Lehrer legten großen Wert darauf uns zu sozialem und tolerantem Handeln zu erziehen. Sie brachten uns bei verantwortungsbewusst für Frieden und Menschenwürde einzutreten. Außerhalb der Schule wurde ebenfalls mein Interesse für Geschichte und Politik geweckt. Seit Jahren lese ich regelmäßig die Zeitung. Ich befaßte mich mit literarischen Werken über den Zweiten Weltkrieg, wobei besonders Schindlers Liste von Thomas Keneally tiefgreifende Spuren bei mir hinterlassen hat. Besonders auch die Verfilmung von Schindlers Liste zeigte auf, was für schreckliche Folgen Intoleranz und die Diskriminierung von Minderheiten haben können. Der Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald war ein weiteres prägendes Ereignis, das mich zum Verweigern des Kriegsdienstes bewegte. Diese Überlieferungen der schlimmsten Vergangenheit des deutschen Volkes machten mich zutiefst betroffen, denn hierbei erkannte ich, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sein können. Ich fragte mich, wie die SS-Offiziere, die für den Tod von Tausenden von Menschen verantwortlich waren, ihre schrecklichen Taten mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten. Von diesem Zeitpunkt an wußte ich, daß ich alles daran setzten muß, daß so etwas Unmenschliches in Zukunft niemals mehr geschehen kann. Aufgrund all dieser Erfahrungen sehe ich keinen Sinn in kriegerischen Handlungen. Meiner Meinung nach gibt es im Krieg keine Sieger, sondern nur Verlierer , denn jede gewaltsame Auseinandersetzung hat Leid und Opfer auf beiden Seiten zur Folge. Außerdem bewirkt der Krieg, daß der einzelne Mensch, das Individuum, seine Identität verliert, da er sich einem System von Befehl und Gehorsam unterwerfen muß. Ich könnte niemals Befehle ausführen, hinter denen ich weder mit vollem Gewissen noch mit voller Überzeugung stehe, da ich ein Mensch bin, der nicht einfach die mir aufgetragene Arbeit ausführt, sondern immer darüber nachdenkt, sie bestmöglich zu bewerkstelligen. Wenn ich etwas erledige, dann möchte ich selbst mit dem Resultat zufrieden sein. Ich könnte es jedoch niemals mit meinem Gewissen vereinbaren, anderen Menschen Leid und Schmerz zuzufügen, und sie in eine Stimmung zu versetzen, die das Leben nicht mehr lebenswert macht. Meine persönlich Lebensauffassung ist von vielen verschiedenen Elementen geprägt. Meine Eltern machten mich mit den christlichen Werten vertraut, die ich auch heute noch besonders achte. Im Religionsunterricht in der Schule, lernte ich die Grundlagen für das christliche Miteinander kennen. In Bezug auf meine Kriegsdienstverweigerung scheint mir das Doppelgebot (Mt 22, 34-40) die deutlichste religiöse Antwort zu geben: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken, und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Jesus fordert also, seinen Nächsten zu lieben; er geht in diesem Gebot sogar noch über das Fünfte Gebot (Du sollst nicht töten) hinaus, da man seinen Nächsten nicht nur unversehrt lassen soll, sondern man soll ihn sogar lieben. Jesu Botschaft, seine Forderung nach Nächstenliebe, wird auch durch den gewaltfreien Widerstand geprägt, der bis zum Tod am Kreuz führt, da er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben zu opfern. Durch diese Tat bestätigt er seine Aussagen in der Bergpredigt: Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. (Mt 5,5;9). Auch Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi oder Martin Luther King haben in der jüngeren Zeitgeschichte den hindernisreichen Weg des gewaltlosen Widerstandes gewählt, um ihre Forderungen umzusetzen und so ihrer Wertevorstellung treu zu bleiben. Meiner Ansicht nach ist der gewaltlose Widerstand die beste Möglichkeit, Konflikte zu lösen, da jegliche Gewaltanwendung nicht dem Frieden dient, sondern nur das Böse verstärkt. Auch wenn es im ersten Moment gelingt, den Gegner durch Gewalt zu schlagen, so ruft jede Gewaltanwendung immer eine Gegenreaktion hervor. Der Haß des anderen wird verstärkt und eines Tages wird er mit geballter Kraft zurückschlagen und wiederum neues Elend auslösen. Es entsteht ein Teufelskreis, der zur Folge hat, daß ein Konflikt niemals gelöst wird sondern im Gegenteil regelmäßig neue Verluste und Opfer fordert. Ein dauerhafter Frieden kann nur dann erreicht werden, wenn Konflikte rücksichtsvoll im gegenseitigen Dialog behoben werden. Ich bin der Meinung, daß jeder Mensch für sich persönlich die Gewissensentscheidung treffen muß, ob er den Dienst an der Waffe leisten kann oder nicht. Dauerhafter Frieden kann nur durch gewaltfreie Verständigung erreicht werden. Für mich bedeutet der Dienst an der Waffe zwangsläufig die Anwendung von Gewalt. Gewalt ist jedoch das falsche Mittel, um dauerhaften Frieden herzustellen. Ich könnte mich niemals gegen das Leben eines anderen Menschen gewaltsam erheben, da das Leben für jeden Menschen genauso wertvoll ist wie für mich selbst. Da das Leben das höchste Gut des Menschen ist, muß er dies auch so gestalten können, wie er es für richtig hält. Dies bedeutet, daß jeder Mensch die Freiheit seiner Mitmenschen achten muß und seine eigene Freiheit nicht mißbrauchen darf. Für mich ist der Mensch das höchste Gut der Schöpfung, dessen Würde bzw. dessen Leben es zu schützen gilt. Im Kriegsfall wäre ich gezwungen einem Mitmenschen diese Würde und das Leben nehmen zu müssen. Doch ich habe nicht das Recht, ein Menschenleben zu zerstören; dies sagen mir mein Gewissen und meine Wertevorstellungen.

Ich hoffe, die Gründe für meine Verweigerung des Kriegsdienstes überzeugend dargelegt zu haben. Ich bitte Sie, meinen Antrag auf Verweigerung des Kriegsdienstes aus Gewissensgründen anzuerkennen.


Mit freundlichen Grüßen

Name, Unterschrift


-----Achtung-----

Jetzt muss noch ein ausführlicher Lebenslauf und eine Kopie des polizeilichen Führungszeugnisses folgen.

Dies hier ist eine Variante eines KDV-Antrages ... und nur als Muster zu sehen. Wenn allerdings irgend jemand in die Versuchung kommen sollte, das hier abzuschreiben, dann kann er schon fast sicher mit einer Ablehnung des Antrages rechnen, außerdem ist das illegal! Also selbst hinsetzen und nachdenken! :-)

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