Kriegsdienstverweigerungsantrag
Oder kurz KdV-Antrag. Wie stellt man ihn richtig? Hier eine Hilfe...
Okay. Du weisst, Du wärst wirklich falsch beim Bund aufgehoben. Du kannst es nicht mit Deinem Gewissen vereinbahren, eine Waffe zu tragen oder gar zu benutzen. Und Du willst Dich mit Sicherheit nicht einfach nur vor einer Verantwortung drücken. Hast nicht einfach nur Angst vor der Grundausbildung (die nicht so schlimm ist, das haben wir doch gezeigt!)... Oder Du brauchst eine bestimmte Zivistelle als Praktikum für Dein Studium.
Du weisst nur einfach nicht, wie Du es am besten anstellen kannst, einen KdV-Antrag so zu stellen, dass er auch bewilligt wird. Na gut, hier bist Du richtig.
Deine eigene Adresse
Deine Personenkennziffer (falls bekannt)

Adresse des Kreiswehrersatzamtes


Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit stelle ich Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer. Gewissensbedingt verweigere ich den Kriegsdienst an der Waffe nach Artikel 4 Absatz 3 Grundgesetz sowie gemäß Artikel 12a Absatz 2 Grundgesetz.
Angefügt finden Sie eine Begründung meines Antrages.


Mit freundlichen Grüßen,

Name, Unterschrift




=========Begründung=========

Ich habe mich lange mit dem Thema meiner Kriegsdienstverweigerung auseinandergesetzt. Deshalb möchte ich Ihnen meine diesbezüglichen unterschiedlichen Überlegungen sowie die mein Gewissen prägenden Einflüsse ausführlich näherbringen.

Mein Gewissen hat sich im Laufe der Zeit immer mehr als eine innere Stimme bemerkbar gemacht, welche mir sagt, was Gut oder Böse ist, unter anderem durch weiter unten genannte Faktoren beeinflußt. Einem Menschen psychischen, physischen oder ähnlichen Schaden zuzufügen halte ich durch mein Gewissen für etwas äußerst Schlechtes und Verabscheuenswertes. Mein Gewissen hält mir auch immer wieder die Konsequenzen solch negativen Handelns wie Gebrauch von Waffen vor Augen. Ich wäre nie in der Lage, das ganze Leid, was einem eventuellen Geschädigten und seinen Angehörigen durch mich als Waffenträger zugefügt werden könnte, zu verantworten. Nicht einmal die Möglichkeit einer solchen zu starken Belastung meiner Psyche durch den Dienst an der Waffe kann ich zulassen.

Schon seit frühester Kindheit lehrten mich meine Eltern alle anfallenden Konflikte mit Ruhe, Liebe und ohne Anwendung jeglicher Gewalt zu lösen. Auch heute noch bin ich zutiefst davon überzeugt, daß dieses positive Prinzip zu besseren Problemlösungen als jede Zwietracht und Gewalt führen muß, denn die gegenüberstehenden Konfliktparteien gehen so aufeinander zu, ohne sich durch Gewalt und negative Einstellung gegeneinander immer mehr zu entzweien. Ich bin der Meinung, daß militärische Konfliktlösungen nicht zu einer gewünschten Einigung sondern nur zur Schaffung neuen Unrechtes beitragen. Dieses mögliche Unrecht durch einen Dienst an der Waffe zu unterstützen versagt mir mein Gewissen.

Meine Eltern brachten mir wichtige Ideale wie zum Beispiel Nächstenliebe näher. Da ich zwei Schwestern habe wurde mir bei vielen Gelegenheiten beigebracht mit anderen zu teilen oder auch selbst einmal auf etwas zugunsten des Anderen zu verzichten. Streit konnte eigentlich nie so richtig ernsthaft zustande kommen, weil uns von unseren Eltern immer ruhige und gerechte Konfliktlösungen angetragen wurden. Nächstenliebe ist für mich auch heute einer der wichtigsten Grundsätze meines Handelns. Dazu zählt unter anderem Mitmenschen keinen Schaden zuzufügen, auch nicht, wenn daraus ein sehr großer persönlicher Vorteil entstünde und Hilfsbedürftigen zu helfen und ihre Schwäche in keiner Weise auszunutzen. Dieses Prinzip positiven menschlichen Zusammenlebens muß auch zwischenstaatlich, also international umgesetzt werden. Ich möchte deshalb keine todbringenden Aggressionen durch eigene Hand an der Waffe unterstützen, weil ich sonst ernsthaft mit meinem Gewissen in Konflikt geraten würde, gegen das mir überaus wichtige Prinzip der Nächstenliebe zu arbeiten.

Selbst im Spiel durfte ich keine gewaltverherrlichenden Dinge benutzen. So war es mir verboten mit Spielzeugpistolen und ähnlichem umzugehen. Meine Eltern sagten mir, ich könnte damit einmal jemandem Schaden zufügen. Dies ist wohl bei Spielzeug in Bezug auf seelisch-psychischen Schaden sehr richtig. Mit richtigen Waffen müßte ich noch viel mehr in Konflikt mit meinem Gewissen kommen, da ich immer mit der Möglichkeit rechnen müßte, jemandem, sei es durch ein Versehen, einen Unfall oder durch Befehl, körperlichen Schaden mit wohl möglich tödlichem Ausgang zuzufügen. Allein die Möglichkeit eines solch schrecklichen Vorganges kann ich vor meinem Gewissen nicht verantworten.

Durch meine Eltern wurde ich im christlichen Glauben erzogen. Deshalb ist für mich das Leben das höchste Gut, welches ein Mensch besitzt, und kein Mensch hat das Recht, dieses Gut zu nehmen. Militärische Aktionen bringen aber immer viele getötete Menschen mit sich. Unzähligen Menschen und ihren Angehörigen wird unerhörtes Leid durch Waffen zugefügt. In solche kriegerischen Auseinandersetzungen wegen meines Dienstes an der Waffe verwickelt werden zu können würde mir schwere Gewissenskonflikte bereiten, da ich dadurch das Böse unterstützen müßte.

Auch meine Großmutter väterlicherseits hat einen sehr großen Anteil an der strikten ablehnenden Haltung meines Gewissens gegenüber der Lösung von Konflikten mit Hilfe von Krieg, durch Waffen und Gewalt unter zwangsläufiger Inkaufnahme von Leid und Tod. Meine Großmutter erzählt mir schon solange ich denken kann immer wieder erschreckende Einzelheiten über ihre Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg. Was sie dort für Leid erfahren hat ist kaum vorzustellen. Sie wurde lange Zeit kriegsbedingt von ihren Geschwistern getrennt, von Soldaten schikaniert, verlor ihren Vater und andere nahe Verwandte und wurde letztendlich aus ihrer schlesischen Heimat wider allen Völkerrechts vertrieben. Dieses Leid hat sie aber natürlich nicht dadurch erfahren, daß Konflikte friedlich gelöst wurden, sondern durch die Anwendung roher Militärgewalt zur Durchsetzung politischer Ziele. Aus den Berichten meiner Großmutter wird mir der schreckliche Kriegsalltag immer wieder realitätsnah vor Augen geführt. Deswegen könnte ich nie mit der Gewißheit leben, eventuell auch zu solchen Taten gezwungen werden zu können.

Auch Bücher wie zum Beispiel "Im Westen nichts neues" von Erich Maria Remarque und Dokumentationen und Filme über den Zweiten Weltkrieg, zum Beispiel "Die Schlacht von Stalingrad", haben meine Aversion gegen kriegerische Auseinandersetzungen beeinflußt. Durch sie wurde mir lebhaft verdeutlicht, wie der wirkliche Kriegsalltag aussieht. Mein Gewissen selbst nur mit einem kleinen Teil dieses schrecklichen Leides und Schmerzes zu belasten kann ich nicht verantworten.

Das durch militärische Auseinandersetzungen produzierte Leid ist fast ausschließlich von der unschuldigen Zivilbevölkerung zu tragen. Mein Gewissen verbietet es mir aber strikt, Leid jeglichen Ausmaßes zu spenden. Selbst die Möglichkeit, dazu gezwungen zu werden, würde mich äußerst stark belasten. Auch heute kann man noch sehr gut in den zahlreichen Krisenherden unserer Welt beobachten, was Waffen alles anrichten können. Ob in Osttimor, im Kongo, im Kosovo oder in Somalia - überall wird durch Einsatz von Waffen nur Leid gestiftet. Selbst die angeblich absolut treffsichere Kriegstaktik der NATO in Jugoslawien hat ihre Mängel gezeigt, indem wieder Opfer der Zivilbevölkerung zu beklagen waren. Ich kann unter gar keinen Umständen vor meinem Gewissen verantworten durch Dienst an der Waffe die Möglichkeit zu provozieren dieses böse Prinzip zu unterstützen. Krieg hat es an sich, daß mehr Leid gestiftet wird, als zur Umsetzung des zu erreichenden Zieles vertretbar ist. Es ist für mich vor meinem Gewissen nämlich überhaupt nicht vertretbar, daß Leid provoziert wird.

Aber nicht nur die Aggression gegen einen Staat beziehungsweise einen Gegner mit Hilfe von Waffengewalt ist mir aufgrund meiner inneren gewissensbedingten Einstellung zuwider. Auch das Entgegentreten gegen Gewalt mit Hilfe von Gewalt liegt mir sehr fern. Man kann sehr gut ohne Waffen gegen Waffengewalt erfolgreich sein, ja meist sogar noch bessere Überwindung der Gewalt durch friedlichen Widerstand erreichen, als durch gewalttätige Gegenwehr. Gandhi hat dies in eindrucksvoller Weise gezeigt. Auch die Revolution von 1989 wäre wohl nicht so glimpflich und mit einem solch positiven Ergebnis vonstattengegangen, wenn die Demonstranten zu Waffen gegriffen hätten. An diesen beiden Beispielen ist sehr gut nachzuvollziehen, daß im Falle von Gegenwehr mit Hilfe von Waffen ein Erreichen der Ziele entweder unmöglich oder jedenfalls nur sehr blutig umzusetzen gewesen wäre. Hier liegt ein weiterer Grund vor, weshalb mir mein Gewissen verbietet, am Dienst mit der Waffe in der Bundeswehr teilzunehmen. Waffen sind einfach nicht der richtige Weg zur Konfliktlösung.

Meine grundsätzliche Ablehnung des Krieges als Konfliktlösungsmittel ist auch darin begründet, daß es bei der heutigen komplexen Vernetzung der Welt sehr schnell von einem bilateralen zu einem multilateralen Konfliktherd kommen kann. Was das bei dem heutzutage vorhandenen Waffenpotential für unvorhersehbare Folgen haben kann, ist kaum vorzustellen. Dieses Risiko kann ich auf keinen Fall durch Waffendienst mit unterstützen.

Ich bin schon in vielen Ländern Europas gewesen und habe manche Bekanntschaft und Freundschaft mit Staatsbürgern anderer Nationen geschlossen. Wenn ich mir nun vorstelle, ich könnte aufgrund meines Dienstes an der Waffe zu gewalttätigen Aktionen gegen friedliche, befreundete und unschuldige Menschen anderer Nationen gezwungen werden, so meldet sich mein Gewissen ganz energisch zu Wort. Es darf nicht sein, daß ich durch den Dienst an der Waffe dazu gezwungen werden kann einen Menschen zu töten oder ihm anderes Leid zuzufügen, nur weil er in einem anderen Land zur Welt gekommen ist, weil er unter einer anderen Regierung lebt oder eine andere Einstellung hat.

Aufgrund sämtlicher oben angeführter Fakten verweigere ich jeglichen Kriegsdienst mit der Waffe.


Mit freundlichen Grüßen und Bitte auf Anerkennung meines Antrages,

Name, Unterschrift


-----Achtung-----

Jetzt muss noch ein ausführlicher Lebenslauf und eine Kopie des polizeilichen Führungszeugnisses folgen.

Dies hier ist eine Variante eines KDV-Antrages ... und nur als Muster zu sehen. Wenn allerdings irgend jemand in die Versuchung kommen sollte, das hier abzuschreiben, dann kann er schon fast sicher mit einer Ablehnung des Antrages rechnen, außerdem ist das illegal! Also selbst hinsetzen und nachdenken! :-)

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