BfD
Geld vom Staat zur Vorbereitung auf das "Leben nach dem Grünzeug"...

Der BFD bietet Euch Leistungen, die wichtig, sehr angenehm und nützlich für Euch sind.

Der Berufsförderungsdienst ist eine sehr neue Einrichtung, die vom Bundesminister der Verteidigung a.D. Rudolf Scharping ins Leben gerufen wurde. Er soll Soldaten auf ihr "Leben nach dem Flecktarn" vorbereiten. Für die meisten Gwdl’er ist das kaum ein Problem, aber für so manche Berufssoldaten, die die Feldwebellaufbahn/SaZ 8 Unteroffizierslaufbahn oder SaZ Mannschaft eingeschlagen haben, mag der Schritt ins zivile Leben doch sehr hart werden. Zumal einige schon eine zivile Ausbildung vorher durchlaufen haben, und eine Wiedereingliederung in ihr altes Tätigkeitsfeld nicht ohne weiteres möglich ist, weil sich ihr altes Tätigkeitsfeld weiterentwickelt hat. Mit Hilfe des BFD können sie sich eine neue Karrieremöglichkeit erschließen.

Der BFD bietet vielfältige Vorbereitungsmöglichkeiten an, sodass man nicht nach der Karriere in Grün „ohne alles“ dasteht. Offizieranwärter und Offiziere, sofern sie ein Studium an einer BW-Universität absolvieren oder absolvieren wollen, können ab diesem Zeitpunkt abschalten, sie werden bereits mit ihrem Studium auf die „Zeit danach“ bestens eingestellt. Dennoch gibt es auch so manchen Offizier, der nach 6 oder 8 Jahren ohne Studium seinen Dienst beendet und für diese gelten fast die gleichen BFD-Ansprüche wie für die meisten anderen SaZs/Berufssoldaten.

Ihr als Aganauten, also normale Gwdl’er, habt einen Anspruch auf sogenannte Berufsfördernde Maßnahmen in Höhe von 664,68 Euro. Für Fwdl’er (also 10 bis 23 Monate lang Dienende), steigt der Betrag noch einmal deutlich an. Eine durchschnittliche Förderungsgrenze liegt nach 12 Monate bei knappen 1000 Euro. Zusätzlich zu diesem Betrag gibt es noch eine Fahrtkostenerstattungen, falls der Ort eurer BFD-Maßnahme weiter als 30 km von Eurer Kaserne bzw. dem Wohnort weg liegt, je nachdem, was näher dran ist.

Der Berufsförderungsdienst unterscheidet interne in externe Maßnahmen. Intern heißt, sie werden entweder vom BFD selbst veranstaltet, oder von einem von BFD beauftragten Veranstalter, wie z.B. der IHK (Industrie- und Handelskammer) Dortmund. Diese werden unter dem Strich zu 100 % von BFD in den Grenzen eurer 664,68 Euro bezahlt, selbst Fotokopier- oder andere Materialkosten kann man nachträglich geltend machen. Externe Maßnahmen sind z.B. ein selbst gesucht und gefundener Kochkurs eines öffentlich anerkannten Trägers (also keine Motivationsveranstaltungen von nicht akkreditierten Privatleuten oder religiöse Selbstfindungsseminare mit Pfeifen rauchen und nackt ausziehen) oder eine sonstige, nicht im BFD-Rahmenprogramm vorgesehene Maßnahme. BFD-Rahmenprogramm heißt lediglich, die Maßnahmen greifen alle berufsvorbereitend. Versucht nicht, eurem BFD-Berater weiszumachen, dass ihr als gelernten Stahl- und Betonbauer einen Nähmaschinen- oder Stenografiekurs braucht, es sei denn, ihr könnt halbwegs glaubwürdig nachweisen, dass ihr später tatsächlich in dieses Berufsfeld wechseln wollt. Dazu später auch mehr Beispiele.

Um die internen Veranstaltungen nach interessanten Angeboten durchzusehen, genügt ein Blick auf die großen, meist orangenen oder gelben Plakaten, die auch in Eurem Kompaniegebäude zu finden sind. Wenn dort keine sein sollten, im Stab sind ganz bestimmt welche im Aushang, dort finden auch die Beratungsgespräche statt. Die Termine für Beratungsgespräche in eurer Kaserne stehen ebenfalls auf diesen Plakaten, in Verbindung mit dem zur Beratung vorgesehenen Räumlichkeiten. Am besten ist, wenn man ein paar Tage vorher einen Termin vereinbart, meistens ist jedoch der BFD-Mensch ziemlich einsam, und freut sich über Gesellschaft. Euer Zugführer wird Euch, sofern Ihr Euch nicht in der Grundausbildung befindet, für die Dauer des Termins freistellen.

Bei externen Maßnahmen übernimmt der BFD fast immer 80% der Kosten. Übersteigt jedoch Euer externer Kurs oder Lehrgang als Gwdl’er die Kosten von 664,68 Euro, so müsst ihr den Differenzbetrag selbst ausgleichen. Auch wenn diese Maßnahme extern ist, zahlt der BFD dann meist die vollen 100 %, wenn der Betrag mehr als 120 % eurer 664,68 Euro beträgt, das sind dann in etwa 800 Euro. Sehr beliebt dabei ist z.B. ein Führerschein, in meiner Kompanie hatten einige Leute den BC-Führerschein gemacht, und wollten noch das BCE, um Sattelschlepper fahren zu dürfen. So kann man sich mit mehreren Mann zusammentun, sich mit einer Fahrschule und dem BFD absprechen, und bekommt dank Gruppenrabatt und Mithilfe des BFD einen erweiterten Führerschein für grade einmal eine Eigenzuzahlung von 400 Euro. Man kann sich auch einen BW-Führerschein auf Kosten des BFD in einen zivilen umschreiben lassen, egal ob man später Atomphysiker oder Berufskraftfahrer werden will. Dies stellt in der Regel kein Problem dar. Die Kosten für die Umschreibung eines Führerscheins betragen in Dortmund z.B. 46 Euro. Eine nette kleine Geste vom BFD, wenn man sich schon für keine ihrer Maßnahmen interessiert, dieses Geld wenigstens zu sparen. Seid clever, nutzt die Möglichkeiten. Es ist euer gutes Recht.

Es gibt sehr attraktive Lehrgänge beim BFD, die Dauer, Kosten und der Nutzwert richten sich nach eurer Dienstzeit. Zwei Beispiele:

Ein normaler Gwdl’er wird niemals einen Halbtagslehrgang über mehrere Monate bestreiten können, um sich z.B. zum Gerüstbauer weiterbilden zu lassen. Selbst wenn er vorher Fassadenmaurer war, und die Berufschancen nach dem Bund schlecht stehen. Tritt jedoch ein Unteroffizier nach 4 Jahren Dienstzeit an den BFD mit diesem Wunsch heran, dann ist es im Bereich des möglichen, diesen knapp 4000 Euro teuren Lehrgang am Ende der Dienstzeit durchzuführen. Schon allein Euer finanzieller Rahmen setzt dem ganzen Grenzen. Beachtet genau die Aufschlüsselung der Dauer und der Stundenverteilung auf den BFD-Plakaten.

Ein Abiturient, der später studieren möchte, bekommt ganz bestimmt keinen Gabelstaplerschein als BFD-interne Maßnahme bewilligt. Der BFD denkt berufsvorbereitend. Ich hätte auch gerne einen Staplerschein gemacht, der auch nur 500 Euro gekostet hätte, aber man kann dem Mann beim BFD nicht wirklich klar machen, wozu man einen Staplerschein als späterer Diplom-Ökonom braucht. Jedoch, wenn man aber *hüstel hüstel* angibt, Realschulabschluss zu haben, keine abgeschlossene Berufsausbildung hat und vielleicht später vorhat Speditionskaufmann zu werden, sieht so etwas schon ganz anders aus. Der BFD-Mensch schaut Euch auch nur vor den Kopf, er kann Eure Angaben kaum überprüfen, daran hat er auch so gut wie kein Interesse. Man darf es ihm halt nur nicht zu leicht machen. So habe ich dann später einen studienvorbereitenden Rhetorik-Lehrgang bei der IHK Dortmund besucht, der wirklich spitzenklasse war. Es war ein Lehrgang, der sonst nur Nachwuchsführungskräften in großen Unternehmen wie der Telekom oder Banken und Versicherungen zuteil wird. Der BFD zahlt Dank eines Rahmenvertrages für einen Lehrgang dieser Art grade mal 700 Euro, in der Wirtschaft kostet ein derartiger Lehrgang für eine Woche, ganztags mit Pausen insgesamt 8-stündig, locker 2000 Euro pro Kopf. Außerdem ist für das leibliche Wohl vor allem bei IHKs gut gesorgt, das Essen und die Getränke sind reichhaltig und erstklassig. Also gönnt Euch am Ende eurer Dienstzeit etwas Gutes, und lasst das Geld nicht einfach verfallen.

Meist bekommt man von seinem Kompaniechef zumindest für die Hälfte des BFD-Lehrgangs, sofern er ganztags in der Dienstzeit stattfindet, Sonderurlaub. Den Rest muss man mit eigenem Erholungsurlaub ausgleichen. Wenn die Maßnahme zur eigenen Kampfwertsteigerung beiträgt, also dienstlich verwendbar ist, wie z.B. ein Gabelstaplerführerschein oder eine Kochfortbildung für BW-Küchenpersonal, gibt es fast immer für die ganze Lehrgangsdauer Sonderurlaub.

Ganz wichtig ist auch, das Gwdl’er und Fwdl’er ihre Maßnahmen in ihrer Wehrdienstzeit wahrnehmen. Diese Maßnahmen sollten auf jeden Fall von Kompaniechef bewilligt werden, wenn nicht wirklich absolut zwingende Gründe für eine anderweitige Verplanung im Dienst vorliegen, in der der Soldat unabkömmlich ist. Berufssoldaten und SaZs können in ihrer Dienstzeit, am Ende und auch noch bis ein halbes Jahr nach DZE Maßnahmen beantragen und durchführen. Nochmal für alle Gwdl’er und Fwdl’er: Kümmert Euch also rechtzeitig um eure Maßnahmen, am besten direkt im vierten Monat eurer Wehrdienstzeit. Achtet darauf, dass die Maßnahmen in Eurer Wehrdienstzeit liegen, am besten ziemlich am Ende. Eine Maßnahme muss zumindest spätestens am Ende eurer Wehrdienstzeit begonnen sein, um diese noch beenden zu dürfen. Aber von solchen engen Maßnahmen lässt man am besten die Finger, weil die Genehmigung für solche von Seiten des BFD und des Kompaniechefs sehr sehr unwahrscheinlich ist. Bedenkt auch, dass Ihr die letzten zwei Wochen Eurer Dienstzeit mit den Abschlussuntersuchungen, Sachenzurückgeben etc. beschäftigt seit.

Also kümmert Euch frühzeitig und sorgt dafür, dass Ihr rasch auf einer Teilnehmerliste steht, denn einige Maßnahmen sind beliebter als andere - und Ihr wollt doch nciht, dass man Euch diese wegschnappt!

-Bense-

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