AGA-Tagebuch von Björn
Als Reaktion auf unser Tagebuch hat uns ein begeisterer Leser gleich was getippt... nachmachen erwünscht! :o)

Allgemeiner
  Bericht...
 einer AGA
Nach der Musterung bekam ich Bescheid, dass ich meinen Dienst in der Kaserne auf der Ell in Merzig (Fallschirmpanzerabwehrbataillion 262) abzuleisten hatte. Mit etwas mulmigen Gefühlen machte ich mich dann am 1. September auf den Weg.

Am Pförtner angekommen, sollte ich schon schnell begreifen, wie es beim Bund so zugeht. Erster Anschiss wegen nicht unaufgefordertem Zeigen des Einberufungsbescheids. Als ich dann den richtigen Unterrichtsraum gefunden hatte, musste ich unzählige Formulare ausfüllen. Danach wurde ich mit 3 Kameraden aufgerufen, um zum Essen geführt zu werden. Ich hatte Hunger und habe mir gedacht, dass ich jetzt etwas Zeit hätte, um etwas zu essen. Falsch gedacht: Der Stabsunteroffizier gab uns ganze 10 Minuten, um essen zu gehen. Da habe ich mir gedacht, gut 10 Minuten, das reicht um mir etwas hineinzustopfen. Aber schon wieder falsch gedacht: Von den 10 Minuten stand ich dann ca. 8 Minuten an der riesigen Schlage vor der Essensausgabe an, so blieben mir ganze 2 Minuten, um zu Essen und dann wieder draußen anzutreten. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mir das "Denken" abgewöhnt.

Jetzt wurden wir in die Kompanie geführt. Der nächste Anschiss folgte: Wir sollten uns vor dem Geschäftszimmer "in Reihe zu einem Glied" aufstellen. „Da wir ja alle schon sehr genau über die Abläufe in der Bundeswehr Bescheid wussten, klappte dies nicht“. Jeder, der die Hände nicht auf dem Rücken verschränkt hatte, Kaugummi kaute, nicht stur geradeaus schaute oder herumzappelte, wurde von einem Obergefreiten UA (Unteroffiziers Anwärter) zurechtgewiesen. Nachdem ich dann im Geschäftszimmer meine Personalien hinterlassen und eine Bahnfahrkarte erhalten hatte, wurde mir ein Zimmer zugeteilt. Hier unterrichtete uns ein Unteroffizier darin, wie man Betten macht und trichterte uns ein, dass es hier keine Leute sondern nur Kameraden sowie keine Zimmer, sondern nur Stuben gibt. Jetzt wurde uns der Befehl gegeben "abrufbereit auf unseren Stuben" zu bleiben.

Nach einigen Stunden schallte es durch den langen Flur: "Fertigmachen zum Raustreten" und kurze Zeit später "Vor den Stuben antreten". Ein wildes durcheinander folgte. Nach einiger Zeit standen wir in einer Reihe und lauschten den Worten bzw. Befehlen der Ausbilder: "Jetzt ist das lasche Zivilleben vorbei, Ihr seid jetzt beim Bund, hier herrschen andere Sitten" und "Die nächsten Monate werden die härtesten eures Lebens für Euch werden!". Nach einer haben Stunde hieß es endlich "Auf die Stuben wegtreten". Endlich schlafen, schnell machte ich mich bettfertig und schlief auch rasch ein.

Doch dies sollte nicht von langer Dauer sein. Um 4:45 Uhr schallte es durch den Flur: "Kompanie aufstehen!". Nun versuchte sich jeder einen Platz im Waschraum zu ergattern, bei 20 Waschbecken für ca. 90 Kameraden war das nicht leicht und vor allem, weil es um 5:00 Uhr ertönte "Fertigmachen zum Raustreten". An diesem Tag sollte uns, den neuen Rekruten oder auch „Maden“ genannt, die soldatische Ordnung eingetrichtert und die Ausrüstung ausgegeben werden. Jeder bekam einen großen Seesack und eine Tragetasche, die bis obenhin voll mit Ausrüstung gestopft wurden. Jeder musste sie aufnehmen und im Gleichschritt zurück in die Kompanie tragen. Jetzt hieß es Spinde einräumen. Jeder Spind musste nach einer sogenannten Spintordung bestückt werden und damit das auch jeder richtig gemacht hat, wurde gleich ein Stubendurchgang gemacht, was zur folge hatte, dass ich meinen Spind, wie auch einige meiner Kameraden, wieder neu einräumen musste. Gegen Abend als sich jeder auf sein Bett freute und sich gerade eingemummelt hatte, flog die Tür plötzlich auf. Ein verbitterter UVD (Unteroffizier vom Dienst) wartete wie es schien auf eine Meldung. Da keiner von uns wusste was er wollte, wurden wir in unserer Stube darüber aufgeklärt, was ein Soldat zu tun hat, wenn ein Vorgesetzter einen Raum betritt und was man dem UVD vor dem Zapfenstreich zu melden hat. Dies wurde dann auch gleich bzw. eine Stunde später überprüft. Jetzt durften wir endlich so gegen 24 Uhr schlafen gehen. Kurze Zeit später schallte es wieder "Kompanie aufstehen!" und die ganze Prozedur begann von vorne. Doch heute sollte eine neue Lektion hinzukommen: Frühsport! Total fertig ging es dann um 6 Uhr zum Frühstück. Heute war die Untersuchung durch den Truppenarzt oder genauer gesagt, der ärztin geplant. Hier lernten wir warten: 4 Stunden in einer Reihe stehen. Als ich dann schließlich ins Behandlungszimmer kam, musste ich wieder die gesamte Prozedur, die ich schon aus der Musterung kannte, über mich ergehen lassen (Jeder der schon mal gemustert wurde, weiß jetzt Bescheid *ggg*). Die nächsten Tage waren vom Warten geprägt, da der Arzt alle 110 Rekruten zu untersuchen hatte und für jeden mindestens 15 Minuten benötigte. Gegen Ende der ersten Woche waren schließlich alle durch. Nun hatten unsere Ausbilder grünes Licht vom Arzt, so dass sie endlich mit ihrem „Drill“ beginnen konnten.

Die folgende Woche war geprägt von Drill, Drall und Geschwindigkeit! Der Frühsport wurde immer länger, das Antreten wurde des öfteren (leicht untertrieben) geübt und jeden Abend wurde uns ein Anschiss durch unseren Zugführer überbracht. Ich glaube, man konnte einfach nichts richtig machen, denn egal wie man etwas ausführte, es war falsch. Mann putzte seinen Spind zum zwanzigsten Male, aber der UVD fand immer wieder noch ein Krümelchen Staub.

Schließlich sollten wir an unsere körperlichen Grenzen geführt werden. Nach einem längeren Marsch im Laufschritt mit komplettem Kampfgepäck (ca. 30 kg) wurden wir durch einen Bach gescheucht und einen sehr steilen Berg hoch. Nach dieser Woche habe ich mich mehrmals gefragt, warum ich mir so was angetan habe?! Als Zivildienstleistender hätte man es so einfach gehabt: Kurze Arbeitszeit, jeden Tag ab 16 Uhr zu Hause, mehr Geld, kein Anschiss...

Egal, ich hab’s so gewollt, also muss ich jetzt auch durch!

Die Nächste Woche war von der G3 Ausbildung geprägt. Sicherheitsüberprüfung, Zerlegen, Zusammensetzen, Funktionsprüfung und das ganze wieder von vorn. Und damit es nicht zu einfach wird: Das Ganze mit verbundenen Augen, auf dem Rücken und unter sportlicher Belastung, auch Waffendrill genannt. Solche übungen sahen folgendermaßen aus: 10 Liegestütze, Sicherheitsüberprüfung, 10 Liegestütze, G3 zerlegen, 10 Liegestütze, G3 zusammensetzten, 10 Liegestütze, Funktionsprüfung, Gleiten (nach meiner Meinung das Schlimmste), das ganze so 5 x wiederholen und noch 2 Runden mit G3 und Koppel um den Sportplatz. Mann, war ich fertig, aber das war noch nicht alles, es gab da nämlich noch die Hindernisbahn. Sie ist vor allem „gut“ zu bewältigen, wenn es vorher so ca. eine Woche ununterbrochen geregnet hat. Wenn man denkt, dass die Grundausbildung nur von körperlicher Anstrengung geprägt ist, liegt falsch. Wir haben des öfteren mal einen unangekündigten Test über die Technischen Daten, die Sicherheitsbestimmungen oder über Lieder geschrieben. Da diese meist eher miserabel ausfielen wurde uns des öfteren eine Dienstverlängerung bis 24 Uhr gewährt.

Als die G3 Ausbildung abgeschlossen war, mussten wir natürlich noch mit der ABC-Maske vertraut gemacht werden. Wie ich das Wort "ABC-Alarm" hasste! Immer wenn es ertönte durften wir uns unsere ABC-Maske, den Poncho und Schutzhandschuhe überziehen und das Ganze unter 12 Sekunden. So ein Marsch mit vollem Gepäck und ABC-Anzug ist schon anstrengend.

Wer denkt, dass sich die gesamte Grundausbildung draußen im Regen abspielt, denkt falsch. Daneben gab es auch unzählige Stunden im Unterrichtsraum. Da kann man dann Life miterleben wie es öfters ertönt: "Sie Jäger Sie, wecken Sie mal ihren Kameraden!". Dieser durfte sich dann natürlich hinstellen, um wach zu bleiben.

Endlich, die letzte Woche! Jetzt nur noch die Rekrutenabschlussprüfung. Wir marschierten in einen Wald, wo wir unser Lager mit Alarmposten und verschiedenen Stellungen aufschlugen. Alles so wie wir es in den vorherigen Biwaks gelernt hatten. Das Blödeste daran war nur in der Alarmpostenstellung, in der immer 2 Kameraden lagen, wach zu bleiben. Zwei Stunden auf dem Boden möglichst still zu liegen kann schon anstrengend sein. Dass es dazu noch regnete war eher sekundär. Am nächsten Tag wurden wir dann in den verschiedenen Bereichen: G3, Alarmposten, ABC, San, Melder und Streife geprüft. Schnell war die Rekrutenabschlussprüfung vorbei und wir kehrten schließlich nach einem längerem Marsch in die Kaserne zurück.

Ab diesem Zeitpunkt begann die legere Zeit. Nach dem Zugabend waren wir alle per Du mit unseren Ausbildern und alle Gemeinheiten der Grundausbildung waren vergessen. Nach der Spezial-Wach-Ausbildung wurden wir in unsere Teileinheiten verabschiedet. Meine ersten Gedanken: Wo bin ich hier gelandet? Keine Hektik, kein Frühsport, Langeweile, nichts zu tun... aber man gewöhnte sich sehr schnell daran und wollte dies auch nicht mehr missen.

Meine Entscheidung zum Bund zu gehen, habe ich nicht bereut - zugegeben, ich hätte es einfacher haben können! Ich finde, es ist nicht schlecht, wenn man das alles mal miterlebt hat. Man hat ja nicht nur Nachteile, so kann ich jetzt LKW Führerschein machen, der mich im Zivilleben sehr viel Geld gekostet hätte.
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Danke nochmal an Björn für diese Eindrücke... mehr zu ihm auf seiner Homepage.  
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