AGA und Bw - Tagebuch
...denn die AGA ist und bleibt doch das Grösste für die meisten in ihrer Dienstzeit...







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29.11.o3 bis 3o.11.o3 - Advent Advent ein Lichtlein brennt

Sonntag ist schon wieder der erste Advent und wir haben nur noch 3 1/2 Wochen AGA vor uns. Nächste Woche ist am Donnerstag Gelöbnis und am Freitag haben alle Funker Sonderurlaub. Ich hab zwar den Dienstplan noch nicht gesehen, aber am Montag gehen wir noch mal schießen (wohl das letzte Mal in der AGA) und der Rest der Woche wird dann wohl Formaldienst bis zum Abwinken sein. Donnerstag um 16 Uhr kommen dann die Familien und um 19 Uhr beginnt unser Gelöbnis. Die übernächste Woche wird noch mal einer harte Woche geben, da wir da ins zweite BIWAK gehen und am Mittwoch unsere Rekrutenbesichtigung ansteht. Danach gehen wir am Donnerstag noch Schwimmen und am 12.12 haben zwei Hauptausbilder schon ihren letzten Arbeitstag in der 2./50 daher wird die Woche nach dem BIWAK nicht mehr groß stressig. Ergo: Es geht dem Ende mit großen Schritten entgegen.

Zwischenfazit - nach 2 Monaten Bundeswehr      So da ich jetzt inzwischen 2 Monate meines kostbaren Lebens für den deutschen Staat und sein ach-so-tolles Heer geopfert habe, maße ich mir jetzt an ein neues Fazit meiner bisher erlebten Zeit zu ziehen. Und dieses Mal wird es ein bisschen anders ausfallen wie das letzte Fazit Ende Oktober. Denn inzwischen bin ich der absoluten überzeugung, dass zur Bundeswehr zu gehen einer meiner größten Fehler meines Lebens war bzw. ist. Jeder der bei klarem Verstand in diesen Saftladen kommt wird spätestens nach 3 bis 4 Wochen merken wie er langsam verblödet. Wenn man diesen Prozess irgendwie stoppen kann (indem man z.B. irgendwann mal ein Buch in die Hand nimmt, wofür man dann von den Ausbildern die das sehen ein verständnisloses Kopfschütteln erntet oder indem man einfach auf Durchzug schaltet und sich den Mist den manche hier verzapfen nicht mehr anhört), hat man eigentlich verloren, denn dann erkennt man wie beschissen das deutsche Heer eigentlich ist. Das fängt zuerstmal mit dem Material an, mit dem wir arbeiten. Als ich am Montag nach Sigmaringen gefahren wurde, habe ich das technisch beste Fahrzeug hier kennen gelernt: einen Mercedes Van. Alle anderen Sachen hier (seien es Ausrüstungsgegenstände, technische Geräte, Gebäude oder Lehrmaterial) kann man getrost in die Tonne kicken. Im Prinzip ist hier sämtliche Ausrüstung älter als der Soldat selber (letzte Woche habe ich eine Maschinenpistole von '58 gereinigt...das muss man sich mal vorstellen, die wurde nur 2 Jahre nach Gründung der Bundeswehr im Jahr 1956 in Dienst gestellt und mit der wird immer noch scharf geschossen..die MG's haben allesamt ein ähnliches Alter und die Ausbilder behaupten sogar im Ernst, dass das Bundeswehr-MG immer noch eines der besten der Welt sei, obwohl die Dinger mit fast identischer Technik schon vor dem zweiten Weltkrieg existierten und jeder der schon mal eines auf dem Rücken hatte wieder die Leichtbauweise zu schätzen weiß) und außerdem ist prinzipiell kein Geld da um uns vernünftig auszubilden. überhaupt wenn ich dran denke, dass wir auf einen eventuellen Verteidigungsfall ausgebildet werden, wird mir richtig schlecht. Wenn wir wirklich angegriffen werden sollten (was ja eh nicht passieren wird, denn wir leben inzwischen im 21 Jhdt.und nicht mehr im Mittelalter), kann man nur hoffen, dass wir genug erfahrene Berufssoldaten haben die dem Angriff standhalten können oder aber dass uns Stümper angreifen, denn mit der Ausbildung die wir inzwischen erhalten haben und noch erhalten werden (sind ja nur noch 3 Wochen) können wir bestimmt keine 10 Minuten unser Land verteidigen. Und für die anderen Aufgaben der BW (sprich: Auslandseinsätze) kommen wir ja eh nicht in Frage. Dazu kommt dann noch die totale Ineffizienz der Verantwortlichen. Was wir jetzt in den zwei Monaten unter dem Motto "Auf die Stuben wegtreten und auf weitere Befehle warten" verbracht haben, hätte locker für eine Woche Urlaub gereicht. Dazu kommen dann noch sehr starre Dienstpläne. Wenn z.B. 2 Stunden Waffenreinigen auf dem Plan stehen, dann wird auch 2 Stunden an einer Waffe rumgefummelt, die am Abend zuvor schon für gereinigt erklärt wurde und über Nacht bestimmt keinen Staub angesetzt haben. Außerdem nerven die ständigen Umziehaktionen, da es die Ausbilder nicht geen bekommen sich zu entscheiden und hier sowieso die linke Hand nicht weiß was die rechte gerade befohlen hat. Was noch total annervt sind diese ewigen Putzaktionen. Ich bin inzwischen nicht mehr sicher ob ich bei der Armee gelandet bin oder im Trainingscamp für Hardcore-Putzfrauen. Alles in allem kann ich nur sagen, dass ich nie wieder zum Bund gehen würde und jedem der bei klarem Verstand raten würde, lieber zu verweigern und 10 Monate irgendeinen Zivi-Job zu machen, da er dort wenigstens etwas Produktives für den deutschen Staat machen kann und nicht nur sinnlos seine Zeit in Uniform totschlägt.

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