AGA und Bw - Tagebuch
...denn die AGA ist und bleibt doch das Grösste für die meisten in ihrer Dienstzeit...







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21.11.o3 - Marsch Marsch

Am Morgen wenig (nur ein Brötchen) gegessen damit man nicht mit vollem Magen losmarschiert, dann gab's ne Marschanweisung. Es wurde also ein übersichtsplan gezeigt, gesagt wo Verpflegungsstationen waren, Anzugserleichterungen bekannt gegeben, das Verhalten in Ortschaften eingebläut und deutlich gemacht, dass ein Zusammenbrechen nur von Ausbildern was bringen wird, denn manche Wegstücken waren mehr oder weniger nicht mit Fahrzeugen zugänglich. Dann kam noch der Satz des Tages: "Normalerweise ist ein 2oer schon schwer, aber die Strecke die wir diesmal haben ist um Meilen schwerer als normal. Viel Spaß und schauen sie, dass sie auf den ersten Kilometern Zeit gut machen, denn ab Kilometer 12 werden sie Zeit verlieren."

Zeitvorgabe für die 2o km waren 3h 2o min was einer Durchgangszeit von 1o min pro km entspricht. Wer das mal einen km probiert wird merken, dass das kein gemütlicher Spaziergang ist sondern die Füße dazu schon gut rotieren müssen. Um 7:30 war der Startschuss und dann ging's auch schon gut los. Ich lief mit einem anderen zusammen und bis km 12 lief es eigentlich recht gut, da bis dahin nur eine größere Steigung eingebaut war und es ansonsten nur Berg ab ging. Bei km 12 waren wir dann 22 min schneller als die Richtzeit von 2h.

Ab diesem km begann allerdings auch die Quälerei. Es ging bis zur letzten Verpflegungsstation auf 16,5 km nur noch steil bergauf über Waldpfade in denen man teilweise bis zum mittleren Schienbein in Matsch watetet und die in etwa so breit waren wie ein Mann. Diese 4,5km waren die Hölle auf Erden denn bei jedem Schritt merkte ich das Gewicht des Rucksacks mich nach unten ziehen und ab km 14 bemerkte ich dann auch meine 2 Blasen die ich inzwischen an jedem Fuß hatte. Auf dieser Steigung brauchten wir dann so etwa 1o min pro km gegen Ende doch etwas mehr so dass wir bei km 18 mit ca.2o min Plus ankamen. Ab km 19 hatte ich dann Krämpfe und habe den letzten km echt mit mir gekämpft, denn wer schon mal mit Oberschenkelkrämpfen versucht hat weiterzulaufen, der weiß wie schmerzhaft das tut. Inzwischen war auch mein Rücken vollständig am Arsch und die Schultern fingen an zu Schmerzen. Irgendwie haben wir (ich war definitiv nicht der einzige dem es so dreckig ging..anderen ging es genauso..auch Ausbilder die schon 4 Jahre beim Bund sind kämpften auf den letzten km mit sich und der Strecke) uns dann doch noch ins Ziel gerettet.

Ich hab insgesamt 3:09 gebraucht und bin jetzt im Nachhinein Stolz auch mich, dass ich die 2okm geschafft habe. Es ist schon eine Erfahrung zu sehen, wie sich der Mensch doch quälen kann, denn wenn jemand sonst beim Sport Krämpfe bekommt hört er sofort auf. Und wir sind noch weitergelaufen (andere hatten noch 17km schon Krämpfe und sind trotzdem in der vorgeschriebenen Zeit angekommen.) und ich denke, dass das Ankommen bei dieser Strecke doch eine recht gute Leistung ist. Was die Ausbilder darüber denken konnten sie noch nicht mitteilen, da für alle die in der Zeit ankamen sofort Dienstschluss war. Na ja, eigentlich war erstmal Bestandsaufnahme der zugezogenen Blessuren.

Ich habe 2 Paar Socken getragen und das untere Paar am rechten Fuß komplett durchgeblutet (andere haben 2 Paar Socken an beiden Füßen durchgeblutet) und ich hab Aufschürfungen am Rücken (andere haben über die gesamte Rückenbreite eine ca.5cm große Brandblase an der Stelle wo der Rucksack gescheuert hat). Dann wurde erstmal geduscht, ausgeruht, Sachen gepackt und ab ging's ins Wochenende. Es war seit langem die schrecklichste Fahrt da ich so ab Pforzheim nicht mehr wusste, wie ich mich hinsetzen sollte, damit ich keine neuen Krämpfe bekomme.

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