AGA und Bw - Tagebuch
...denn die AGA ist und bleibt doch das Grösste für die meisten in ihrer Dienstzeit...







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29.1o.o3 - Der Tag meiner Niederlage  

Heute stand für unsere Kompanie (also ca. 90 Rekruten) das erste Mal Schießen mit scharfer, tödlicher Gefechtsmunition auf dem Programm. Also morgens nach diversen Umziehaktionen (Hilfsausbilder gab Befehle, die dem Stabsunteroffizier nicht gefielen.Ergebnis: Riesengebrüll und totaler Stress für die armen Funker) ging's dann wieder mit vollem Gerödel auf die standorteigene Schießbahn (man stelle sich eine ca. 2 km. langes und vielleicht 300 m breites Tal vor, dessen Seitenbegrenzung aus ca. 20m hohen Wällen bestehen direkt in Windrichtung und mit guten Durchzugsgeschwindigkeiten des kalten Pfullendorfer Winds vor zu dem ein vielleicht 200 m sehr steiler Weg runter führt). Dort wurden erst diverse Sachen aufgebaut (die Schießstände selber und Zusatzausbildungsstationen da immer nur 3 Leute gleichzeitig schossen und 87 andere nicht gelangweilt rumstehen durften). Als dann alles fertig war, hieß es nach Zügen getrennt antreten. Da standen wir dann also und lauschten den Worten des Leitenden. Als dies geschehen war, wurden "Rennen" (ein Rennen bestand aus 3 Soldaten, die zusammen nach vorne gingen und dann schossen... hinter den tieferen Sinn des Wortes bin ich leider nicht gekommen) eingeteilt. Da ich zu den größten im 1.Zug gehöre, war ich auch unter den ersten Rennen dabei und musste mich auch gleich aufs Schießen vorbereiten, also Helm auf, Gehörschutz in die Ohren rein und ab ging auch schon die Post.

Da die Bahn ca. 400 m lang war, wurden gleich mehrere Rennen losgeschickt, die dann an unterschiedlichen Punkten warteten und dann immer nachrückten. Mein Rennen war dann auch als viertes schon an der Reihe und es ging nach Eintrag ins Schießbuch (jeder Schuss den ein Soldat abgibt wird peinlich genau protokolliert, damit auch ja kein scharfer Schuss übrig bleibt) und Empfang von 10 Schuss ans Eingemachte. Es wurde die übung GS1 geschossen (will sagen: aus 100 m liegend, 5 Schuss durch Reflexvisier auf eine 15cm kleine Scheibe [keine Vergrößerung, nur roter Laserpunkt] und 5 Schuss durchs optische Visier auf eine 10cm kleine Scheibe [1,5fache Vergrößerung mit Zielkreuz und anderem Schnickschnack]...man musste jeweils 4 Kugeln im Ziel versenken). Also runter auf den Boden, Probeanschlag und Waffe laden und 5mal durchs Reflexvisier abdrücken, dann Waffe ablegen und aufs Ergebnis warten. "Bahn 2, 5 Treffer". Hm, 5 Treffer, nicht schlecht fürn Anfang. Und weiter ging's, wieder Probeanschlag, Waffe laden und 5mal abdrücken. "Bahn 2, 3 Treffer". Nein, durchgefallen. Shit. Scheine wohl doch kein Naturtalent zu sein. Also zurück zum Wartebereich, einmal Zusatzausbildungen gemacht und dann auf meinen zweiten Versuch gewartet (war Gott sei Dank ned der einzige Versager an der Waffe). Bei diesem hab ich dann jeweils 4mal getroffen und so die erste Prüfung bestanden. Dann stand auch schon GS2 aufm Programm (aus 200m liegend wieder 5 Schuss mit jedem Visier...diesmal allerdings auf Pappkameraden, die nach einem Treffer wegknickten und dadurch anzeigten, dass sie getroffen waren..man brauchte je 3 Treffer). Ums kurz zu machen, ich habe einmal 3 und einmal 2 getroffen, also zu wenig ums im ersten Versuch zu schaffen. Im zweiten hab ich dann 3 und 3 getroffen und diese Prüfung auch geschafft. Als dann auch jeder diese Prüfung geschafft hatte (manche brauchten 3 Anläufe) und alles wieder abgebaut und in Fahrzeugen bzw. in unseren Rucksäcken verstaut war, war auch schon so 16 Uhr und das Abendessen stand unmittelbar bevor.

Aber vorher gab es noch eine Hürde zu bewältigen. Stuffz:"1.Zug rechts um" (Pause) "Iiiiiiiiiim Laufschritt" (Wie bitte? Im Laufschritt?? Mit 25kg Gepäck auf Rücken? Die Steigung, die wir heute morgen herunter, sind wieder rauf?? Mit vollem Thermoanzug?? Mit Gewehr?? Mit Helm?? Jetzt so kurz vorm Essen??) Das kollektive aufstöhnen aus 45 Kehlen wurde durch ein "Marsch Marsch" (Zeichen zum loslaufen) unterdrückt. Und so schleppten wir uns den Hügel rauf und zurück zu unserm Gebäude, wo wir total am Ende und absolut gebadet ankamen, denn man muss dazusagen, dass wir einen kompletten Kälteschutz anhatten (also Thermojacke + Thermohose), der wirklich sehr gut funktioniert. Danach gab's Abendessen aber noch keinen Dienstschluss, denn für heute stand noch 2 Stunden Waffenreinigen auf dem Programm. (Um den Irrsinn zu erkennen muss man noch sagen, dass wir nicht mit den Waffen geschossen haben, mit denen wir immer rumlaufen, da man mit diesen Dingern nicht mehr gescheit schießen kann, da sie total verzogen sind..die mit denen wir geschossen haben, tragen die Ausbilder und werden auch von denen gereinigt und gepflegt). So nach 30 Minuten war ich mit meiner Waffe so weit, dass man davon ohne Bedenken hätte essen können. Also betrieb ich noch eine Stunde Alibi-Putzen und schrubbelte quasi immer auf einer Stelle rum um so zu tun, als ob ich beschäftigt wäre. Um halb 7 war dann Waffenabgabe und anschließend Dienstschluss.

Dann kam nochn andres Highlight des Tages. Einer aus unserem Zug hatte Geburtstag und 2 seiner Freundinnen waren in der Kaserne ihn zu besuchen. Es blieb natürlich nicht unbemerkt und so versammelten sich die restlichen 40 Mann heimlich, still und leise vor der Zimmertür um gemeinsam die Bude zu stürmen und ein herzhaftes "Happy Birthday" darzubieten. Der arme Kerl ist fast im Boden versunken. Ich hoffe die Banausen finden nicht heraus, wann ich Geburtstag habe :-) Danach gingen ca. 20 von uns noch mit ein paar Ausbildern in die Sporthalle um "Gymnastik" zu machen (der geneigte Stammleser versteht die Anspielung, alle anderen drücken jetzt "strg+f" [oder gehen im Menu auf "Suchen"] und tippen "Aerobische übungen" in das erscheinende Suchfenster ein und lesen betreffende Stelle nach um zu verstehen). Dabei bildeten wir 4 Teams. Immer 2 davon standen sich gegenüber. Wenn ein Team erfolgreich war, musste das Verliererteam raus und ein anderes kam rein, so dass ein reger Tausch entstehen sollte. Letztendlich betrieben wir ca. 1 1/2 Stunden "Gymnastik" und meine "Gymnastikgruppe" spielte davon ca. 1:20 h (wir haben nur 1 Spiel verloren). Danach waren wir zwar total fertig und erschöpft, aber es hat doch Spaß gemacht und man hat gesehen, dass die Ausbilder auch nur Menschen sind mit denen man außerhalb des Dienstes auch ganz normal reden kann. Außerdem waren wir heute genau 4 Wochen bei der Bundeswehr und hatten den ersten Monat damit fast hinter uns.

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