AGA und Bw - Tagebuch
...denn die AGA ist und bleibt doch das Grösste für die meisten in ihrer Dienstzeit...







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27.1o.o3 - Gefechtsausbildung.  

Same procedure than every week. Sonntagabend Abfahrt, 3 - 4 Stunden später Ankunft, warten, putzen, schlafen. Also nix spannendes. Heute stand dann wieder mal ein kompletter Tag draußen auf dem Programm. Zum Glück ging's nicht auf den Standortübungsplatz, sondern nur auf eine Wiese innerhalb der Kaserne (trotzdem muss man seine komplette Ausrüstung mit ca. 25 kg Gewicht mitschleppen...es könnte ja ein Ernstfall eintreten). Dort mussten wir dann zuerst verschiedene Stationen aufbauen, welche wir dann nachher der Reihe nach durchlaufen sollten. Ich war zuerst bei der Station "ABC-Ausbildung". Der Bundeswehrerfahrene unter meinen Lesern wird wissen, wie viel Spaß das macht und wie sehr man den Schrei "ABC-ALARM" liebt.

Für die anderen sei erklärt: im Falle eines Angriffs mit ABC-Kampfstoffen (wird in der Ausbildung durch eben jenen "ABC-ALARM"-Schrei eines Ausbilders signalisiert) hat der deutsche Soldat exakte Handgriffe auszuführen. Zum einen Helm vom Kopf, Gewehr in die Kniekehle, runter auf die Knie fallen lassen (dieses Schritte laufen am besten gleichzeitig ab, Grund siehe später). Dann ABC-Täschchen (die hier enthaltene Ironie bleibt leider denen Vorbehalten, die schon beim Bund waren..alle die noch gehen: nehmt die Karabiner, wenn euch welche angeboten werden.. alle die nicht müssen: $!§*ä"), das an der linken Seite des Soldaten baumelt aufmachen, Gasmaske (ja ich weiß, es heißt ABC-Schutzmaske, aber kennen sie de Wayne? Nein? Ok, ich mach die Liegestützen) rausholen und über das niedlische Köpfchen ziehen. Und das ganze in einem Zeitfenster von 7 (!) Sekunden ab "ABC-ALARM" (hier haben wir dann auch vorhin angepriesenen Grund). Es hört sich jetzt schon sehr schwer an und was soll ich sagen.....es ist schwer! Aber damit nicht genug, denn die Uhr tickt weiter und man hat nach Aufsetzen der Gasmaske (stöhn..langsam tut's in den Armen weh) weitere 24 Sekunden um wiederum aus seinem ABC-Täschchen einen Poncho (ihr wisst hoffentlich wasn Poncho ist, weil beschreiben is nicht) rausfummeln und diesen über den Kopf ziehen, so dass der komplette Körper bedeckt ist und der Poncho übern Rucksack geht (dabei sollen sich schon etliche Soldaten böse Verrenkungen zugezogen haben). So, wenn das geschafft ist, ist der schlimme Zeitdruck erstmal rum. Für das was jetzt kommt, gibt es keine festgeschrieben Geschwindigkeit. Also man fummelt sich seine ABC-Handschuhe heraus, packt seine anderen in besagtes Täschchen, zieht die ABC-Dinger an, streckt seine Patschehändschen aus dem Poncho, zieht selbigen am Kopf fest, setzt den Helm auf, nimmt denn seine Waffe, hat das Ausbildungsziel erfüllt und wäre nach Ausbilderaussage jetzt bestenfalls gegen Tränengas geschützt, sorgt aber bei den nicht an dieser Station übenden Kameraden für Tränen in den Augen, weil man inzwischen zum Schießen komisch aussieht. In der Ausbildung läuft man dann noch ein bisschen durch die Gegend, damit auch möglichst viele Leute was zu lachen haben und führt dann eine ABC-Entwarnung durch in deren Verlauf man alles wieder ablegt. Wenn dies geschafft ist, wird alles wieder sauber verpackt und darauf gewartet, dass dem Ausbilder wieder mal einfällt, dass der bitterböse Feind doch mal wieder mit ABC-Kampfstoffen angreifen könnt, weil er das schon so lange nicht mehr gemacht hat. Alles in allem lässt sich sagen: ABC-Ausbildung stinkt zum Himmel.

Die nächste Station an diesem Tag war dann Waffen zerlegen, zusammensetzten, Funktions- und Sicherheitsprüfung. Alles in allem machbar und wenn man sich genau an die Anweisung des Ausbilders hält, nicht allzu stressig. Dann ging's weiter zur Station "Zieleinrichtungen und Ladetätigkeiten". Hier wurde zuerst mit Exerzier Munition (sprich nur mit leeren Hülsen) das bestücken eines Magazins geübt. Dann wurde gezeigt, wie man eine Waffe teilläd und wie man sie fertigläd. Im zweiten Teil durfte man dann endlich mal offiziell mit seinen äugchen durch die 2 Zieleinrichtungden des G36 linsen (Sicherheitsbestimmung für Waffen: Keine Zielübungen. Daher konnte man bis zu dem Punkt nur heimlich durch die Visiere schauen und bekam, wenn man erwischt wurde, einen Anpfiff). Ganz nett, aber auch ned wirklich berauschend. Hat man ja alles schon gesehen (ja, man ist im Wald oft unbeobachtet). Wiederum weiter zur nächsten Station auf der die Abläufe auf der Schießbahn erklärt wurden, damit man sich beim anstehenden Schießen ned allzu blöd anstellt. Stationswechsel: noch mal Waffen zerlegen, usw. *Gähn*. Mittagessen in der Kantine, dann Anschlagsarten (also, ob man beim Schießen steht, abkniet, usw.). Recht interessant und leicht umsetzbar.

Als siebte und letzte Station an diesem Tag stand dann das erste Mal Schießen für uns auf dem Programm. Wir durften insgesamt 5 Schuss Platzpatronen abgeben. Mehr ned. Es hat fünfmal Puff gemacht und ich hab festgestellt, dass mir Schießen keinen Spaß machen wird. Keine Ahnung warum, aber ich hab einfach ein komisches Gefühl beim Abdrücken. Vielleicht bin ich viel zu lieb, nett und harmlos fürs Schießen. Danach wieder alles Abbauen, zurück zu unserem Gebäude und ab in den Dienstschluss. Am Abend hatten wir dann noch viel Spaß, als es den ersten Alkoholausfall gab und ein Kamerad sich nur noch kriechend auf allen vieren fortbewegen konnte. Wasn Spaß.

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