AGA und Bw - Tagebuch
...denn die AGA ist und bleibt doch das Grösste für die meisten in ihrer Dienstzeit...







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23.1o.o3 - Pampa Ahoi!

Heute stand der ganze Tag im Zeichen der SaniAusbildung im Felde. Morgens war also Waffenausgabe, dann ging's mit vollem Gerödel (Rucksack, Koppel [Tragehilfe mit allem möglichem Zeug dran], Helm und Gewehr) auf den Standortübungsplatz. Und diesmal war der Wind dort wirklich eisig. Als dann die ganze Kompanie dort versammelt war (1. + 2.Zug - Innendienst'ler =~90 Rekruten) wurden 6 Gruppen gebildet und auf die 6 Stationen dort verteilt, die man dann der Reihe nach durchmachen sollte. Wir waren 14 Leute und fingen gleich an meiner Lieblingsstation an: Schleiftricks. *würrg* *kotz* Da wir zum Glück die schwulen Stellungen schon alle am Montag durch hatten, wurden diesmal mehr die etwas liebevolleren gelehrt. O-Ton Ausbilder: "Seid kreativ, packt ihn einfach irgendwo und schleift ihn in den Wald". Also frisch ans Werk, den verwundeten Kameraden an der Koppel gepackt und mal 50 Meter sehr "liebevoll" mit ihm die Wiese umgepflügt. Dann noch ein paar andere Sachen (Huckepack, mit Hilfe eines Stockes eine Sitz zum tragen nehmen, usw.

Nach 40 Minuten ging's dann zur nächsten Station und der Wind wurde immer eisiger. An dieser Station wurde dann "Retten unter ABC-Schutz" durchgeführt. Ausbilder: "ABC-Alarm" Zugführer aus dem Hintergrund:"... 5, 6, 7, 8, alle Tod, das müssen wir wohl noch üben". Dann sollten wir also als Gruppe einen Weg entlang laufen und die Dinge meistern, die da auf uns warteten. Keine 100 Meter weiter waren dann auch schon ein Paar kräftig dabei durch ABC-Kampfstoffe zugefügte Wunden zu simulieren, diese wurden von uns dann versorgt. Ich hatte das große Glück, die Gegend sichern zu müssen. Dabei kann man eigentlich ned viel falsch machen, einfach hinter nen Baum werfen, Gewehr in Anschlag und dann ein bisschen die Pampa beobachten. Darauf folgte ABC-Entwarnung und das komplette Zeugs wieder verpacken und ab zur nächsten Station (muss ich erwähnen, dass ich inzwischen trotz Handschuhe meine Finger kaum noch spürte? von meinen Zehen mal ganz abgesehen). Die nächste Ausbildung bestand dann darin aus 3 Bundeswehrparka und 2 langen Stangen Behelfstragen zu bauen und mit diesen einen Verwundeten einmal um einen kleinen Wald zu karren. Auch diesmal wurde ich zum Gelände sichern eingeteilt und durfte 5o Meter hinter der Trage gegen den bösen bösen Feind nach hinten absichern. Also keine große Sache. Als dieses dann geschafft war, ging's zur letzen Station vorm Mittagessen. Dort wurde gezeigt, wie man Knochenbrüche schont, Kopfwunden verbindet, Druckverbände anlegt und einen gebrochenen Arm schient. Alles in allem eigentlich gut und nützlich, wenn die ganze Sache nicht am Rande eines großen (und ich meine groß im Sinne von: "wo hörtn das auf? ich seh kein Ende") freien Fläche stattfand wo der Wind schön durchpfeifen konnte und auch gut wirkte, da man sich nicht groß bewegen konnte. Brr, wasn scheiß. Als das dann überstanden war, wurden wir zum Essensplatz geführt und es hieß "Verzehrbereitschaft herstellen".

Dort hielt sich auch der Rest auf und unsere Gruppe stellte entsetzt fest, dass wir so ziemlich die einzige Gruppe waren, der noch nicht befohlen wurde den gut warm haltenden Kälteschutz (quasi eine Thermojacke) anzuziehen. Was ne Sauerei, da ein Großteil von uns nur ein kurzärmeliges T-Shirt und die Feldbluse anhatten, was nicht wirklich warmhielt. Nach kurzem Nachfragen wurde uns dann auch erlaubt das Ding anzuziehen und es wurde sehr schnell deutlich, wie viel doch so eine Jacke leistet (es wurde richtig angenehm). Dann gab's ein karges Mittagessen, das aus einem Löffel Reis, einer Hähnchenkeule und einem kleinen Stück Kuchen sowie etwas warmem Tee bestand. Irgendwie wurde keiner so richtig satt und das Hähnchen war auch nicht wirklich gut zu essen, denn die Hände wollte ich nicht benutzen, da ich den halben Tag in der Pampa war und die Sanitären Einrichtungen zum Händewaschen mitten im Feld doch Mangelware darstellen. Aber wer schon mal versucht hat, Hähnchen in einer ca. 25 cm tiefen und 10*5 cm breiten Schüssel zu schneiden wird meinen Frust verstehen. Also doch die Handmethode. Was uns nicht tötet härtet ja schließlich ab. Als dann die Mittagspause auch geschafft war, ging's zur vorletzten Station. Wieder wurde ein Kfz-Unfall simuliert. Diesmal jedoch unter Beschuss und Feindeinwirkung. Den ersten Versuch verbockten wir natürlich total, ich mein, woher sollten wir wissen, wie man da was macht? Man führt so was ja normal täglich durch und kann das alles ohne irgendwelche Erklärung. Der verantwortliche Ausbilder war auf jeden Fall der Meinung und machte sich dann lautstark Luft und ließ uns das ganze dann noch mal durchspielen. Wasn Arsch.. Das zweite Mal klappte das dann doch recht gut und wir hatten auch diese Station überstanden und schlappten zur letzten Aktion des Tages, von der wir von anderen Gruppen beim Mittagessen schon gehört hatten, dass es so ziemlich die schlimmste sein sollte.

Als wir dort angekommen waren, war uns auch klar, warum. Wir mussten erstmal eine gute Steigung hoch (ich schätze so in etwa die gleichen Prozentzahlen wie die Steighole in Bruchsal..~1o Prozent oder so was). Dort oben sollte unser Lager sein und 2o Meter runter am Fuße der Steigung waren 2 Kampfstände in denen Verwundete lagen, die wir bergen sollten. Da wir mitten im Gefecht waren, musste das alles natürlich in tiefster Gangart erledigt werden (sprich: die Steigung runter und rauf gleiten..wer so was schon mal gemacht hat wird wissen, wie körperlich anspruchsvoll so was ist). Also ging's los. Ich fand mich dann auch recht schnell mit einem anderen in einem solchen Kampfstand (zur Erklärung: ca. 1 Meter tiefes Erdloch, etwa nen halben Meter breit und gut 2 Meter lang mit nem sau dummen Ausgang, der um die Kurve nach hinten geht...siehe Zeichnung) wieder und durfte mit ihm eine Verletzten aus diesem dummen Loch ziehen. Alle anderen Gruppen hatten mittags gesagt, sie hätten das zu viert mit großer Anstrengung geschafft. Wir durften das zu zweit machen, da die anderen lieber die Gegend sicherten als uns zu helfen. Als der Verletze (ungefähr gleiche Statur wie ich) endlich aus dem Loch draußen war, war ich auch mit meiner Kraft am Ende (versucht mal jemand zu schleifen, wenn der einzige Halt, den du hast, darin besteht, dass du von hinten an der Koppel festgehalten wirst, da du mit den Füßen keinen Halt findest und die Hände für den Rautegriff brauchst) aber musste noch helfen, den Kerl die Steigung zu unserem Lager hochzuschleifen. Danach war ich fix&foxi und dreckig wie Sau. Unsere Leute, sicherten, hatten schon Probleme die Steigung alleine wieder hochzugleiten und wir hatten noch nen Verletzten zu schleifen.

Als das dann auch vorüber war, ging's mit der ganzen Kompanie wieder zurück in die Kaserne, wo erstmal großen Waffenreinigen angesagt war. Man schrubbt halt die Plastikteil und den Lauf und ist so nach 3o Minuten fertig, muss aber noch mal ne halbe Stunde Alibi-Reinigen durchführen bis die Ausbilder sagen: "So, Waffe zusammensetzen, in 3 Minuten ist jeder hier raus." Zu meiner Erstaunung muss ich sagen, dass ich handwerkliches As die Waffe als erster zusammengesetzt hatte und als allererster den Raum verließ. *freu* Dann ging's zum Abendessen, bei dem wir feststellten, dass wir Funker eigentlich Kinderbundeswehr spielten während die Fernspäher, die auch bei uns in der Kaserne sind, richtig rangenommen werden. Wir haben mal mitgestoppt, wie lange die Armen zum Essen Zeit haben: Exakt 5 Minuten. Auch sonst sind die schon richtig durchgefickt worden (z.B. Dienst bis halb zwölf Abends, joggen mit 30+ kg Gepäck, Ausdauerläufe und dauerndes Anschreien)

Nach dem Essen war dann "Dienstschluss". Dabei ging jetzt der ganze Stress erst los, denn freitags wird ja immer die Ausrüstung kontrolliert und muss sauber sein. Um das ganze etwas abzukürzen sei gesagt, dass ich von halb 6 bis kurz nach 8 nur damit beschäftigt war, meine Ausrüstung zu reinigen, andere brauchten noch länger. Als das dann geschafft war, war auch dieser interessante und anspruchsvolle Tag vorbei. Während wir aber so vor uns hin putzten setze ein böser Schneefall ein, so dass am Freitagmorgen noch ca. 5 cm geschlossene Schneedecke liegen blieb und überall Streufahrzeuge rumfuhren.

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