AGA und Bw - Tagebuch
...denn die AGA ist und bleibt doch das Grösste für die meisten in ihrer Dienstzeit...







vorhergehender Tag...
zurück zur Tagebuch-Auswahl
nächster Tag...
     
o1.1o.o3 - "Willkommen am Arsch der Welt"

Morgens um 7 raus, da ich um 8 am Bahnhof in Bruchsal sein musste, damit ich irgendwie rechtzeitig da unten ankommen musste. Und dann ging’s auch schon los. Ich war kaum aufm Bahnsteig, da hab ich auch schon ne andre arme Seele aus unsrer Umgebung getroffen, die nach Pfullendorf zur gleichen Einheit musste. Na ja, was soll ich sagen, 3 Stunden und endlose Gespräche, auch mit anderen Bund'lern, die in eine der zahllosen Kasernen dort unten musste, war ich dann an meinem Zielbahnhof: Mengen. Unnötig zu erwähnen, dass wir in stetig schlechteres Wetter gefahren sind und dass ich in Bruchsal noch geschwitzt habe während ich in Mengen in den gleichen Kleidern schon echt fror.

Also aus dem Zug raus, flugs durch den Mini-Bahnhof in dem es ein Reisebüro und einen Dönerstand gibt durch und da wartete auch schon Y-Tours auf uns. Ein Soldat kam uns auch schon entgegen: "Ihr wollt zur Bundeswehr? - Willkommen am Arsch der Welt!" Die Gesichtsfarbe meiner Reisegefährten und mir musste inzwischen deutlichst grüne Färbungen aufzeigen. Dann hieß es erstmal warten, denn der Bus, der uns nach Pfullendorf bringen sollte, kam erst um 12. Und leider waren wir um halb zwölf angekommen. Bei der Warterei hab ich dann auch gleich den nächsten aus Waghäusel kennen gelernt. Na ja, die Welt ist halt klein und das Kreiswehrersatzamt verdammt asozial. Dann in den Bus und durch tiefste Wälder Richtung Kaserne. Dort angekommen wurden wir natürlich erstmal bei der falschen Kompanie (zur Erklärung: auf dem Kasernengelände sind 3 oder 4 verschiedene Kompanien stationiert) rausgelassen. Toll, 1o Minuten Fußmarsch bei einsetzendem Nieselregen und wir waren da. Dann ging zuerst mal unsere erste Schlacht los. Krieg der Formulare. Soviel Schwachsinn hab ich noch nie im Leben innerhalb einer Stunde unterschreiben müssen. 'Wen sollen wir informieren, wenn sie sterben?' - "Wie? Sterben? Kann ich das hier auch? *grübbel*..." So in der Art halt und außerdem noch ungefähr 234.230 Personalerfassungsbögen mit irgendwie immer denselben Angaben. Aber man soll ja nicht meckern, denn uns wurde sehr schnell klargemacht, dass wir hier nur gaaanz kleine Lichter sind. ("Ihr habt ab sofort keinerlei Grundrechte mehr..", "Ihr heißt ab sofort alle mit Vornamen 'Funker'", "Ihr seid unsere letzte Grundausbildung, mit euch werden wir noch mal so richtig 'Spaß' haben...Spaß haben natürlich nur die Ausbilder, das versteht sich ja von selbst." usw.)

Gut, dann fertig mit ausfüllen und noch schnell das Mittagessen mitnehmen.(war eigentlich ganz lecker, wenn wir nicht vorher sehr scharf ermahnt worden wären, beim Essen absolut die Klappe zu halten). Nach dem Essen sollte es dann weitergehen. Da unsere Ausbildungskompanie (ca. 100 Rekruten) auf 2 Züge (jeweils ca. 50 Mann) werden sollte, gab es natürlich auch 2 versch. Meldeköpfe. Funker Köhler hat’s natürlich verplant und stand beim falschen Zug an. Der folgende Anpfiff war kurz und heftig und ich war dann doch irgendwie froh, dass ich im 1.Zug gelandet bin, denn dort ging’s am ersten Tag etwas relaxter zu. Im richtigen Raum dann angekommen wurde mir eine Stube zugeteilt und ich wurde zum Selbstudium (=Lernen) der Ränge auf selbige geschickt. Im Laufe von einer Stunde stellten sich dann meine Stubenkameraden ein.

Ein buntes Treffen der Kulturen. 2 Schwaben aus dem Raum Sigmaringen, einer aus Freudenstadt (wo auch immer das sein mag), einer aus Freiburg und noch einer aus Pforzheim. Dann hieß es eigentlich von drei bis zehn nur rumsitzen, Ränge lernen, Meldungen machen, wenn ein Vorgesetzter den Raum betritt (und es gibt viiiiele Vorgesetze), Vorstellung von Ausbildern und hohen Tieren der Kompanie und zwischendrin noch Betten nach einem Musterbett machen, was völlig sinnlos ist, denn jeder der schon mal so ein Bett gesehen hat weiß, wie widersinnig die Soldaten ihr Bett machen müssen. Als dann endlich alle Rekruten da waren, wurde noch quasi bis zum Abwinken antreten vor den Stuben im Gang geübt ("Die Bundeswehrgebäude stehen von alleine..WEG VON DER WAND", "Wir habe extra Fließen gelegt, damit sie sich vernünftig in einer Reihe aufstellen können." "Seien sie nicht so schüchtern..Schreien sie ruhig" -> nachdem wir das dann zwanzig Mal wiederholt hatten, hat der Betreffende dann auch kapiert, dass er die Meldung richtig rausschreien muss.) Dann war 22.4o. Unteroffizier:"So, jetzt ist fertig für heut. Um Punkt 23oo liegen alle! im Bett und wehe es rührt sich noch einer." Und was soll ich sagen, der Mann hat Autorität.

Copyright (C) 2004 by AGAnauten.de. All rights reserved.